Neue Freiheit PLUS - Tag 6

Es sind die Umbrüche in unserem Leben, die uns von Natur aus irritieren. Unsere private Lebenssituation hier in Versailles hat sich wieder grundlegend verändert. Unser Großraumbüro ist von der Anzahl der Teammitglieder her geschrumpft. Unser Sohn und seine Freundin sind an ihre Arbeitsorte zurückgekehrt. Mit einem Male erscheint unser Apartment sehr groß. Unser Esstisch dient nicht mehr als Schreibtisch für Mitarbeiter von vier unterschiedlichen Firmen.

Wenn man durch Versailles läuft könnte man glauben, es hätte niemals einen Lockdown gegeben. An die teilweise maskierten Menschen habe ich mich gewöhnt. Ansonsten genieße ich es, wieder den Markt zu besuchen. Auch hier herrscht reges Treiben. Man hört in unregelmäßigen Abständen wieder das laute Martinshorn. Autos fahren lautstark durch die Stadt. Das Vogelgezwitscher ist leise geworden. In der Ferne hört man die Bahn. Ab und zu sieht man am Horizont, dass ein Flugzeug Paris verlässt. Es ist fast Sommer in der Stadt. Die Nachbarn sind wie wir viel auf dem Balkon. Unser Park war bis einschließlich Freitag komplett geschlossen. In Irland geht man anders mit „C“ um: der Park hat ganz normal geöffnet und für 2 Stunden ist ausschließlich Verweil-Zeit für gefährdete Bevölkerungsgruppen. So fühlen sich diese sicherer und können die wichtige frische Luft und Sonne, die nicht so häufig wie bei uns in Versailles scheint, genießen. Die Stadt Dublin stellt sogar Sonnenstühle zur Verfügung. Das gefällt mir. Auch finde ich den Einkauf im Supermarkt interessant geregelt: morgens dürfen für 2 Stunden besonders gefährdete Personen, also ältere Menschen und Vorerkrankte, einkaufen. Alle anderen gehen später. So geht jedes Land anders mit Herausforderungen um. Von Deutschland habe ich gehört, dass man immer mehr zum gewohnten Alltag übergeht. Die Schulen werden geöffnet und auch die Maskenpflicht ändert sich. Ich verstehe, dass viele Menschen die schnellen Wechsel hin zur Normalität nicht verstehen können. Noch vor Kurzem durften Angehörige ihre schwerkranken Familienmitglieder nicht besuchen oder sich von den Sterbenden verabschieden. Das sind starke seelische Belastungen, die zu Traumata führen können. Ich wünsche all den Betroffenen, dass sie bestmögliche Unterstützung bekommen.

Ich habe das Gefühl, die Welt ist aufgewühlt. Die Situation in Amerika spitzt sich zu. Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ist ein altes und globales Thema. Mich berühren die verbindenden Aktionen, von denen zum Glück auch die Medien berichten: von Polizisten, die sich solidarisieren und sich für friedliche Lösungen einsetzen. Hier sind es die kleinen Zeichen, die große Wirkung haben, wie es zum Beispiel in New York geschehen ist: Polizisten, die sich mit friedlichen Demonstranten an die Hände nehmen. Auch begrüße ich die internationalen friedlichen Demonstrationen für Vielfalt.

Energie folgt der Aufmerksamkeit. Viele sagen: „Was kann ich tun?“ Ich bin doch nur ein kleines Licht. Viele kleine Lichter lassen die Welt aber auch heller erleuchten. Wenn ich für Offenheit und Vielfalt stehe, strahle ich das auch aus. Ich begegne meinen Mitmenschen anders, und diese Energie kann man spüren und heutzutage sogar messen. Man kennt das, dass man sich in der Nähe von manchen Menschen nicht so wohl fühlt und lieber einen Bogen um sie macht. Doch wie wäre es, wenn man einem solchem Menschen respektvoll gegenübertreten würde und mit ihm ein echtes Gespräch führen würde? Ein echtes Gespräch basiert darauf, dass man seinem Gegenüber aktiv zuhört. Aktives Zuhören meint, dem Anderen Zeit zu geben und nicht gleich reinzugrätschen mit Argumenten. Oftmals fühlen wir uns schnell angegriffen und verteidigen uns. Oder aber wir meinen, den anderen von unserer Meinung überzeugen zu müssen, oder dass wir die Lösung für das Problem breits hätten. Wir werten und geben, gleich einem Arzt, eine Diagnose. Aktives Zuhören meint, seine eigenen inneren Gefühle zurückzunehmen und zu versuchen, die Motive des Anderen zu verstehen. Das könnte sogar in der Warteschlange beim Bäcker sein. Ich könnte mich dem Griesgram, der vielleicht hinter mir steht, zuwenden und eine offene Frage stellen. Das sind alle „W- Fragen: Wie, Wer, Was, Warum? Und so mit ihm in ein Gespräch kommen ohne dabei über den Griesgram zu werten. So stelle ich ihn als Menschen in den Mittelpunkt. Beim aktiven Zuhören spielt die Körpersprache eine wichtige Rolle. Es funktioniert nicht, wenn ich mich der Person nicht zuwende. Das ist wichtig, ebenso Blickkontakt zu halten und wenn es angemessen ist, auch einmal zu nicken. In der Fachsprache wird zusätzlich vom Paraphrasieren gesprochen. Das bedeutet, man gibt kurz in eigenen Worten wider, was man gehört hat und kann dann fragen: „Ich habe das Gefühl, das macht sie wütend.“ So erhält der Griesgram vielleicht auch einmal etwas Mitgefühl für seine Situation. Das brauchen wir alle. Und so könnte es sein, dass er seine Bestellung freundlich aufgibt und bemerkt, wie man ihm freundlich seine Bäckertüte zurückgibt.

 

Ich fasse für dich das Wichtigste noch einmal kurz zusammen, denn aktives Zuhören ermöglicht es, dass sich deine Beziehungen positiv verändern können: deine Beziehung zu deinem Partner, deinen Kindern, deinen Freunden, Kollegen, Nachbarn, also mit deinen Mitmenschen. Es funktioniert, wenn du es ehrlich meinst und dir Zeit für ein echtes Gespräch nimmst.

 

1. Signalisiere deine Offenheit in deiner Körpersprache: wende dich deinem Gesprächspartner zu, halte Blickkontakt und nicke zustimmend, wenn es passt. So spürt dein Gegenüber dein ehrliches Interesse.

2. Höre nur zu. Das ist eine große Herausforderung. Doch das wird durch Übung leichter. Unterlasse jede Art von Wertung und „Diagnose“. So lernst du die Motive des Anderen kennen und bekommst eine Antwort auf das „Warum?“.

3. Vergleiche nicht, bleibe in der Neugier und gehe nicht in den inneren Kampf, der zu Abwehr und  Beschuldigungen führt.

4. Paraphrasiere, wiederhole in kurzen Worten, was du wahrgenommen hast. So kommt es zum Erkenntnisgewinn auf beiden Seiten.

5. Gehe auf die Gefühle ein.

6. Nimm den anderen Standpunkt mit Neugier ein und gehe so in den Austausch.

 

Ich wünsche dir viel Freude mit diesem Impuls. 

Hoffnung

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal unterstreichen, was Glück u. a. für mich bedeutet. Ich finde gerade diese unruhigen Zeiten verdeutlichen das. Im Gegensatz zu früher erhalten wir 24 Stunden täglich 7 Tage die Woche neue Informationen. Der Informationsflut können wir nicht Herr werden. Wenn wir ständig nur Nachrichten konsumieren würden, die meistens über Negatives berichten, verändert das unser Gehirn und unsere Wahrnehmung. Wir würden irgendwann glauben, dass die Welt eine Schreckliche ist. Ja, es passieren viele schreckliche Dinge und doch passieren zu selben Zeit auch positive Dinge. Was tut mir besser? Mich nur auf das Negative zu fokussieren oder auch das Schöne wahrzunehmen, sich darüber zu freuen?

Am 7. Juni wird in Frankreich Muttertag gefeiert. Ich habe das erst bemerkt, als ich auf dem Markt war. Vor jedem Blumenverkäufer war eine lange Schlange Wartender. Überall liefen Passanten mit Blumen in den Händen über den Markt und durch die Straßen. Ich musste schmunzeln, denn ich hatte das vergessen und freute mich. Das ist der Vorteil, wenn man im Ausland lebt. Man feiert zweimal Muttertag. Ich entschied mich, mir selbst einen Blumenstrauß zu schenken: weiße Pfingstrosen mit Freesien.

Ich möchte mit dir an dieser Stelle eine Freude teilen. In meinem näheren Umfeld wurden im Wonnemonat Mai drei gesunde Babys in ein liebevolles Nest geboren. Nun würde der Pessimist sagen: „Oh je, was diese Kinder in dieser schrecklichen Welt wohl erwarten wird?“. Für mich sind Kinder ein Zeichen von Hoffnung. Die Welt war schon immer schrecklich und schön zugleich. Im Gegensatz zu früheren Generationen haben gerade wir, die wir in Deutschland leben, die Chance unser Leben positiv zu gestalten. Wie wäre es, wenn wir mehr in Lösungen denken würden, anstatt in Problemen? Um auf die Neugeborenen zurückzukommen. Der Optimist freut sich über die Geburt eines Kindes und vertraut darauf, dass es Lösungen in dieser globalen Welt geben wird, die diesen Kindern eine lebenswerte Zukunft ermöglichen.

 

Ich wünsche dir für deine Woche, dass du das viele Schöne im Kleinen um dich herum wahrnimmst und dieses genießen kannst, ohne mit der rosaroten Brille durchs Leben zu laufen.

 

Herzliche Grüße, Susann 

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