Mein Leben in Versailles und Rheinbach

Der Herbst ist in seiner vollen Pracht zu bewundern. Immer wieder aufs Neue bin ich von der Farbenpracht fasziniert. Die Jahreszeiten folgen ihrem Rhythmus, wenn auch etwas verändert. Unser aller Leben durchläuft im Moment Veränderungen, von denen wir unterschiedlich stark betroffen sind. Es liegt in unserer Natur, dass wir zunächst Veränderungen einmal nicht so mögen, insbesondere Veränderungen, die mit dem Gefühl von Traurigkeit einhergehen, sei es wenn wir von Krankheit betroffen sind oder von Erkrankungen in unserem nächsten Umfeld erfahren, vom Verlust eines lieben Menschen oder eines Haustieres oder der Trennung vom Lebenspartner*in. Auch beim Verlust des Arbeitsplatzes oder auch der eigenen Selbstständigkeit als Unternehmer*in erleben wir starke negative Gefühle. Da ist zunächst der Schock. Wir können es gar nicht begreifen. Dann folgen bspw. Gefühle von Traurigkeit, Wut, Verzweiflung oder sogar Hoffnungslosigkeit.

„Wenn wir uns der Veränderung widersetzen, entsteht Leid.“ Diese Weisheit Buddhas ist treffend. Auch ich war in den letzten Tagen sehr traurig, denn ich habe erfahren, dass wir sehr kurzfristig über Rheinbach in die Niederlande umziehen werden. Schon sehr bald, am 10. Dezember. Ich war zunächst wütend über die Kurzfristigkeit, doch viel stärker war die Traurigkeit, die schnell einsetzte. Ein Umzug ist kein Schicksalsschlag, nein das ist er nicht. Doch für mich heißt das, weiterziehen, wie eine Reisende, die aber angekommen war. Versailles ist zu meinem Zuhause geworden. Ich habe hier vieles miterlebt, nicht nur Schönes und fühlte mich doch wie auf einer Insel im tobenden Meer. 

Ich wußte, dass die Zeit in Versailles irgendwann einmal zu Ende sein würde und doch tut es weh, zu gehen. Es ist anders wie mit einem schönen Urlaubsort. Den möchte man auch manchmal am Liebsten nicht verlassen. Was ist ein Zuhause für dich? Ein sicherer Ort an dem du dich wohl fühlst und immer wieder Kraft schöpfen kannst, gemeinsame Stunden mit deiner Familie und Freunden verbringst, an dem alles vertraut geworden ist und du glücklich bist? Viele Menschen verlieren ihr Zuhause und damit ihre komplette Existenz. Viele Menschen verlassen ihr Zuhause um in einem Land ohne Krieg leben zu können. Viele Menschen verlassen ihr Zuhause, weil sie das Abenteuer lieben. Es gibt unzählige Gründe, warum Menschen ihr Zuhause verlassen, ob gezwungenermaßen oder freiwillig. Ich habe das Privileg, in einer sehr schönen Gegend wieder ein neues Zuhause zu suchen. Das ist mir bewusst und doch war es wichtig, das Gefühl von Trauer und die Tränen zuzulassen. Mir hat hierbei u.a.das expressive Schreiben, nach James Pennebaker, in einer kleinen Abwandlung sehr geholfen. Dieser hat diese Schreibintervention in den 1980- ger Jahren entwickelt zur Bewältigung von Traumata und emotionalen Belastungen.

Expressives Schreiben

Viel zu oft vernachlässigen wir unsere Gefühle. Wir wollen Gefühle wie bspw. Traurigkeit, Wut oder Angst nicht fühlen. Am Liebsten hätten wir einen Schalter und würden sie abschalten. Doch diesen gibt es nicht und das ist gut so, denn unsere Gefühle machen uns zu dem was wir sind: menschliche Wesen. Sie zeigen uns, welche Bedürfnisse wir haben. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit emotionalen Belastungen oder auch Gefühlen von Traurigkeit, Wut oder Angst im Alltag umzugehen. Mir persönlich hilft immer auch das expressive Schreiben, welches auch therapeutisches Schreiben genannt wird. Es ist einfach, kostenlos und sehr wirkungsvoll. Du brauchst etwas Zeit und Ruhe, Papier und einen Stift. Mehr nicht. Du stellst dir nun zwei Fragen:

  • Was ist passiert?
  • Wie fühle ich mich? 

Ich wandle diese Variante  für mich je nach Situation etwas um und frage mich in Situationen, wie den oben beschriebenen: 

  • Was fühle ich gerade?
  • Warum ist dieses Gefühl so intensiv?
  • Was kann mir dieses Gefühl zeigen? 

 Schon öfters habe ich darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, alles Gefühle anzunehmen. In dem Moment, in dem du dir diese Fragen beantwortest, gibst du deinen Gefühlen Raum. Du spürst sie und doch überwältigen sie dich nicht. Du bleibst Steuerfrau/mann deiner Gefühle. So bist du deinen Gefühlen nicht ausgeliefert und bleibst handlungsfähig. So kannst du leichter mit Veränderungen umgehen. Du schreibst jetzt ununterbrochen alles auf, was an Wörtern und Gedanken auftaucht. Diese müssen keinen Sinn ergeben. Es können auch Wortfetzen sein, die du aufschreibst. Hauptsache, du schreibst 15-20 Minuten. Achte weder auf Grammatik noch Rechtschreibung. Schreibe. Schreibe.Schreibe. „Es ist quasi ein Zahnarztbesuch fürs Gehirn: nicht immer angenehm, aber am Ende ist man froh, sich darum gekümmert zu haben.“ (https://urbestself.de/blogs/article/expressives-schreiben) Je nach Gefühlslage können Tränen fließen, Bauchweh sich bemerkbar machen, eine innere Weigerung zeigen. Das alles darf sein. Schreibe weiter oder kritzle auf das Papier, falls dir nach einer Schreibpause zumute ist. Bleibe im Fluss. Während einer Zahnarztbehandlung stehst du auch nicht einfach auf mitten in der Behandlung. Das erste Mal ist ungewohnt, doch wenn du es öfters ausprobierst, funktioniert es immer leichter, die psychologische Hygiene. 

 

Beim Schreiben habe ich begriffen, was eine liebe Freundin gesagt hat: "Hey, Susi wandle deine Traurigkeit um in Freude und Dankbarkeit: Du hattest so eine tolle Zeit in Versailles und ich verstehe, dass es dir schwer fällt, zu gehen. Doch wer weiß, was sich jetzt für Türen für dich auftun.“ Wie wichtig doch Freunde sind! Auch fiel es mir wie Schuppen von den Augen, als ich später eine WhatsApp las: "Ihr seid aber wirklich an den schönsten Plätzen der Welt!“ Wenn ich mich mit meiner Trauer um den Weggang nicht auseinandergesetzt hätte, wären all diese Worte an mir abgeprallt. 

Expressives Schreiben für Kinder

Ich selbst habe diese Möglichkeit als junge Mutter noch nicht gekannt. Eine befreundete Kollegin und frühere Lehrerin erzählte mir, dass diese Methode auch wunderbar im Unterricht funktionieren würde, wenn Kinder „stören“. So lernen diese frühzeitig ihre Gefühle zu kanalisieren. Sie bekommen anstatt einer Strafandrohung oder eines Tadels eine Handlungsoption. Ich selbst habe noch ein weiters Ritual hinzugefügt. Ich verbrenne im Anschluss das Geschriebene. Mein kleines Feuer auf dem Balkon war recht groß. In der Schule oder im Alltag mit Kindern empfiehlt sich eher das anschließende Zerreißen, aus Sicherheitsgründen.

Veränderung annehmen

 

 

 

Ich folge den Jahreszeiten. Nach der herrlichen Laubverfärbung, werden alle Blätter abfallen. Die Natur verändert sich und auch mein Leben. Ich gehe mit der Veränderung und freue mich auf die räumliche Nähe zu meiner Familie und Freunden. Damit mir nicht alles über den Kopf wächst, bereite ich den Umzug Schritt für Schritt vor, soweit das unter den sich ständigen „C“-Regelungen möglich ist. Eine Umzugsplanung mit Plan A, B und im wahrsten Sinne des Wortes C.

 

 

Ich wünsche dir viel herbstlichen Farbgenuss, Deine Susann

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